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Gastbeitrag: Review Condor Boeing 767-300ER Business Class Mauritius – Frankfurt


„Condor. Wir lieben Fliegen.“ ist der aktuelle Werbeslogan der, zum Touristikkonzern Thomas Cook gehörenden, Fluggesellschaft Condor. Im heutigen Reisebericht werden ich versuchen zu ergründen, ob „Fliegen“ die einzigen Reisenden sind, die gern an Bord der frisch renovierten Business Class der Langstreckenflotte der Condor reisen oder ob auch der anspruchsvolle Reisende einen solchen Flug liebt.

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Einleitend sei erwähnt, dass die Condor kürzlich die Umrüstung der zwölf Flugzeuge umfassenden Langstreckenflotte abgeschlossen hat und nun flottenweit ein einheitliches Business Class Produkt anbietet. Dabei sind 3 Flugzeuge der Flotte mit High J, also mit 30 Business Class Sitzplätzen ausgestattet, wohingegen die restlichen 9 Flugzeuge nur über 18 Business Class Plätze verfügen. Die High J Maschinen werden dabei bevorzugt auf den Strecken nach Mauritius, die Seychellen und den Malediven, sowie zu einen US Ziel wie Las Vegas oder Seattle eingesetzt. Dieser Trip Report bezieht sich auf dem Flug mit Condor DE 7315 am 28.07.2014 von Mauritius nach Frankfurt, bei dem es sich um einen rund zwölfstündigen Tagflug mit Abflug um 08:25 Uhr und Ankunft um 18:20 Uhr handelt. Bereits 10 Tage vorher habe ich mit Flug DE5315 den übernächtlichen Hinflug absolviert und werde einige Erfahrungen aus dem Flug hier mit einbringen.

Der CheckIn

Der CheckIn erfolgte an insgesamt 5 Schaltern. 2 Für die Economy Class und jeweils ein weiterer für die Premium Eco, die Business Class und für bereits online eingecheckte Fluggäste. Nun ist diese Idee der Trennung der Passagieren grundsätzlich ganz gut, allerdings nützt dies wenig, wenn die örtlichen Flughafenrepräsentanten der Transferunternehmen diese Trennung grundsätzlich aufheben und sich herzlich wenig dafür interessieren, in welcher Klasse der Gast reist. Das widerrum bedeute schon einmal anstehen, obgleich wir offensichtlich die einzigen Premium Gäste weit und breit waren. Endlich an der Reihe musste nicht nur das Aufgabegepäck, sondern auch das Handgepäck auf die Wage und wurde mit einem Kontrollbändchen versehen. Aus meiner Sicht schon das erste Fragezeichen des Tages denn für die Business Class, denn eine Handgepäckbeschränkung von 8 Kilogramm ist vollkommen deplatziert.

Weiter ging es mit der Erstellung der Bordkarten und erneut war ich baff und erstaunt als mir Bordkarten für Reihe 3 anstelle der, Monate im voraus reservierten, Reihe 1 ausgestellt wurden. Die Erklärung war das es einen Aircraft Change gegeben hätte und daher nun eine andere Konfiguration geflogen würde. Glatt gelogen, denn alle 3 High J Maschinen sind exakt gleich konfiguriert. Offensichtlich hatte man im Reservierungssystem vergessen die Crew Seats in Reihe 1 zu blocken. Nachdem ich mich nun bereits zweimal geärgert hatte ging es Richtung Gate. Natürlich ohne irgendwelche Hinweise zur Location der Lounge oder ähnlichem.

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Nach ausgesprochen rascher Abfertigung an der Sicherheitskontrolle fanden wir die von allen, nicht mit Air Mauritius „verbandelten“, Airlines genutzte Premiumlounge direkt vor dem Abfluggate. Am Eingang wurden unsere Loungeeinladungen entgegen genommen und wir begaben uns per Fahrstuhl ins 2. OG. Die Lounge war nun die erste positive Überraschung des Tages, denn nicht nur das Sie außerordentlich großzügig und hell war, sondern auch das flinke und dienstbereite Personal versuchte uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Neben frischen Salaten, Croissants, Brot und Brötchen, Butter, Marmelade, frischen Früchten und unzähligen alkoholischen und alkoholfreien Getränken wurde auch eine umfangreiche Auswahl an warmen Speisen auf einer Speisekarte angeboten. Aufgrund der frühen Stunde beließ ich es aber bei etwas frischem Orangensaft und einem, frisch vom freundlichen Personal zubereiteten Cappuccino, der keine Wünsche offen ließ.
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Das Flugzeug

Der Condor Retro Jet D-ABUM sollte uns heute als Beförderungsmittel dienen. Genau wie bereits bei Hinflug vor 10 Tagen war dieser, von außen im Retro Look der 70er Jahre gestaltetem Jet, im Einsatz. Leider ist die wechselvolle Geschichte des rund 20 Jahre alten Flugzeuges in vielen Punkten an Bord noch klar sichtbar.

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Nach Zeiten bei China Southern und Eurofly war das Flugzeug bis 2012 bei Alitalia im Dienst und wurde dann in Abu Dhabi auf den Condor „Standard“ umgebaut wie ein aufschlussreiches Youtube Video der Condor dazu verrät. Leider hat man wohl verpasst die Overhead Bins an einen zeitgemäßen Standard anzupassen was dazu führt das diese kaum Platz für einen einzelnen Rimowa Boardtrolley bieten, was außerordentlich lästig ist, aber nun auch die strikte Begrenzung des Handgepäckes erklärt. Vermutlich schaffen es aber zumindest Fliegen ihr kleines Handgepäck dort unterzubekommen.

Boarding

Circa 45 Minuten vor der geplanten Abflugzeit erfolgte der Bordingaufruf am Gate, den wir in der Lounge durch die unmittelbare Nähe deutlich vernehmen konnten. Für das Boarding stand, anders als in Frankfurt wo man das Wort Premium Pax offensichtlich noch nie gehört hatte, ein Premium (also Premium Eco und Business Class) als auch ein Economy Class Gate zur Verfügung. An der Tür erfolgte eine Begrüßung durch en Purser und eine Flugbegleiterin, welche die Gäste auf die richtige Seite des Flugzeuges manövrierten. Auf den Business Class Sitzen lagen sowohl die Decke als auch ein Kopfkissen bereit. Nach einem recht langwierigen Boardingprozess wurde dann ein Welcome Drink in Form von Orangensaft oder einem durchaus trinkbaren spanischen „Cavas Hill 1887“ Cava gereicht.

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Im Anschluss wurden die Amenity Kits ausgegeben und mit Verwunderung musste ich feststellen, dass sich diese vom Hinflug erheblich unterschieden. Nach einigem Studium den Inhalts und des Labels stellte sich heraus, dass es sich um das Premium Eco Kit handelte, was zwar mit dem Business Class Kit fast identisch ist aber halt nur fast. Es fehlte der Hygieneüberzug für das Headset und wirkte sowohl von der Aufmachung als auch vom Inhalt noch billiger als das ohnehin schon fragwürdige Business Class Kit, welches übrigens immer noch Comfort Class als Aufschrift trägt.

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Auf Nachfrage wurde erklärt dass man auf dem Hinweg alle Business Class Kits verbraucht hätte und somit nur noch Premium Eco übrig wären. Diese Bemerkung ließ vermuten, dass erneut für den Hinweg zahlreiche Upgrades am Gate verkauft wurden. Bei meinem Hinflug am 18.07. wurde dies auch offensiv am Gate getan und scheinbaren gab es mal wieder genügend Interessenten die bereit waren für ein Upgrade von Eco in Premium Eco 250 EUR pro Person (vorab gebucht wären das 150 EUR gewesen) und von Eco in Business Class für 900 EUR (vorab gebucht kostete das Business Class Ticket Frankfurt – Mauritius am 17.07. nur 999.00 EUR all inklusive, also ganze 99 EUR mehr als das Upgrade). Schlussendlich waren auf unserem Hinweg alle Premium Eco und alle Business Class Plätze belegt obgleich am 17.07. in Business noch 10 freie Plätze verfügbar waren.

Auf dem heutigen Flug wurde am CheckIn ebenfalls ein sehr großzügiges Upgrade Angebot über die CheckIn Monitore verbreitet, nämlich 2 Upgrades zum Preis von 1. Kling gut, ist aber Dummenfang vom Feinsten. Denn zwei Upgrades von Eco in Premium Eco kosteten zusammen 650 EUR, in Business Class 1.800 EUR, was soll man dazu noch sagen.

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Der Sitz

Kommen wir nun mal zum wichtigsten Element einer Business Class, der Sitz. Condor verbaut den sogenannten „Majesty“ Sitz auf dem Hause Zodiac Aerospaces. Ein Produkt welches bereits gut eine Dekade auf dem Markt ist und bei Airlines wie zum Beispiel Finnair bereits von zwei Generationen neuer Sitze abgelöst wurde. Condor proklamiert dazu folgendes:

„Das Sitzmodell „Majesty“ ist ein vollautomatischer Liegesitz mit vielen individuellen Einstellmöglichkeiten und einer Bettlänge von 1,80 Metern. So können sie sich auf der Langstrecke bequem langstrecken.“

Ich vermute der Werbetexter hat noch nie in dem Sitz gesessen denn weder handelt es sich um einen Liegesitz also ein „Lie Flat“ Seat, noch lässt es sich bei einer „Bettlänge“für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer mit 180 cm Körpergröße, bequem langstrecken. Nicht nur das die 170 Grad Neigung ein permanentes abrutschen in den, viel zu kleinen, Fußraum verursacht, auch die nicht waagerechten Klappkanten des Sitzen führen eher zu Rückenschmerzen denn zu Entspannung. Einzig Liebhaber der „Fötusposition“ kommen hier auf ihre Kosten.

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Die vorprogrammierten vier Sitzpositionen sind, mit Ausnahme der aufrechten Grundstellung, auch vollkommen nutzlos, denn weder gibt es einen brauchbaren Relax- und Lesemodus, noch einen für das Essen passenden Modus. Selbst der „Flache“ Schlafmodus entpuppt sich als nicht flach, da ja auch ansonsten nur noch Füße bis Schuhgröße 30 in den Fußraum passen würden. Darüber hinaus hat der Sitz einen weiteren entscheiden Konstruktionsfehler, denn sobald der Tisch, welcher sich in der Armlehne befindet, ausgeklappt ist lässt sich der Sitz nicht mehr verstellen. Ein Phänomen welches mir bis dato bei keiner Airline untergekommen ist.

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Um diese Fehlkonstruktion noch schlimmer zu machen lässt sich der Tisch auch nur waagerecht ausklappen, wenn der Sitz in einer mehr oder minder aufrechten Position ist. Somit ist man beim Essen und dem Versuch zu arbeiten zu einer „gesunden, aufrechten Sitzhaltung verdammt. Apropos arbeiten das fällt weitestgehend aus, da zwischen dem Anfang des Tisches und meinem nicht ganz so schlankem Körper, gute 8 cm Platz sind und somit eine Ablage des Handballens nicht möglich ist. Bleibt also nur noch der Schoß, der für das Arbeiten mit einem Laptop sicher noch vertretbar ist, für alles andere ausgeschlossen scheint. Bereits das ausfüllen der Landingcard für Mauritius auf dem Hinweg gestaltete sich daher äußerst mühsam.

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Sollte man dann doch in die Verlegenheit kommen auf dem Schoss arbeiten zu wollen oder zu müssen, so steht zumindest an jedem Platz ein USB Port, sowie eine 110 Volt Streckdose für handelsübliche Strecker bereit. Alles in allen ist somit weder bequemes liegen, noch arbeiten oder essen möglich. 

Auf diesen Missstand angesprochen erklärte mir der Purser, dass der hier verbaute Sitz das Einzige am Markt verfügbare Modell wäre der in einer B767 passen würde, was erneut eine Vorspiegelung falscher Tatsachen darstellt. Denn Airlines wie United (Review) , Austrian und Delta Arlines fliegen seit Jahren Flat Bed Seats in dem Flugzeug um die Welt.

Darauf angesprochen wurde mir vom Purser erklärt dass, dass man ja dann viel weniger Sitze unterbringen würde und daher der einzelne Platz für deutliche höhere Preise verkauft werden müssten! Nun kann man diesem Argument durchaus folgen aber es sei einmal dahingestellt ob nicht auch ein höherpreisiges zeitgemäßes Business Class Bett am Markt seine Kundschaft finden würde denn was nützt mir eine günstige Business Class in der ich nur bedingt bequem Reisen kann!

Aber ich bin mir sicher, die durchschnittliche Fliege kann sich in dem Sitz bequem langstrecken. Condor „Wir lieben Fliegen“ da haben wir es wieder!

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Die Verpflegung

Der Charme eines langen Tagfluges ist immer der umfangreiche Service und zumeist aufgrund der damit verbundenen Tageszeit die Möglichkeit, diesen auch ausgiebig zu nutzen. Das Frühstück, welches circa 60 Minuten nach dem Abflug serviert wurde, kam in Form eines vorbereiteten Tablet daher und war weder herausragend gut noch besonders kritikwürdig. Nach circa sechs Flugstunden wurde dann das Mittagessen serviert.

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Traditionell werden dabei alle Vorspeisen (heute „Lobster Bellevue“, kreolischer Geflügelsalat, Blattsalat und eine warme Auswahl an Brot und Brötchen nebst Butter und einer grüßen Salsa) gereicht. Alle Bestandteile waren als durchaus ordentlich zu bewerten, obgleich ich die nicht vorhandene Wahlmöglichkeit doch als Kritikpunkt sehe, denn nicht jeder ist ein Liebhaber von Lobster, oder stark mayonnaisehaltigem Geflügelsalat. Das Ganze kam mit einer umfangreichen Auswahl an warmen Brot und Brötchen sowie unterschiedlicher Butter daher.

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Im Hauptgang kam bei mir ein „totgebratenes“ Rinderfiletsteak mit Pilzsauce (wo waren nur die Pilze?) nebst geschmacksneutralen „feinen“ Gemüsen und (fetttriefenden) Kartoffelstäbchen daher. Meine Reisebegleitung entschied sich für die „vegetarische“ Spezialität und erhielt „Tortellini in cremiger Tomatensauce und feinen Gemüsen“ welche zwar essbar, aber weder optisch noch geschmacklich irgendwelche Eindrücke hinterließen und eher an ein Economy Class Gericht erinnerte. Diese Auswahl ließ mich für die armen Passagiere im hinteren Teil des Flugzeuges Schreckliches ahnen. Die anschließende Käseauswahl, welche nochmals vom Brotkorb und Butter begleitete wurde, sowie das Dessert in Form einen Schokoladentörtchen waren durchaus dekorativ und auch geschmacklich ansprechend.

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Circa 2½ Stunden vor der Landung wurde dann eine Auswahl an kleinen Speisen gereicht. Sowohl der Obstsalat, als auch das „angebliche“ Limonentörtchen mit Creme vom Grünen Tee, als auch der „angebliche“ marinierte Apfel und Palmenherzen-Salat war lecker, obgleich ich die Richtigkeit er Angaben des Speisekarte anzweifle. Da die Creme nicht nach grünem Tee und der Salat nicht nach Palmenherzen schmeckte, hat sich hier vielleicht jemand vertan, vielleicht. Last but not Least verspricht die Speisekarte vollmundig, dass die „Mahlzeit mit einem edlen Tropfen aus einer umfangreichen Auswahl an Aperitifs, Weinen und Champagner“ abzurunden wäre.

Leider erreichte der Champagner bereits beim Mittagessen nach 6 Stunden Flugzeit annähernd Zimmertemperatur. Vermutlich traf dies auch auf die Weißweine zu, die bereits auf dem Hinweg nach 1½ Flugstunden selbigen Temperaturgrad erreicht hatten. Als Erklärung wurde mir geliefert, dass es in Flugzeugen keine Kühleinrichtungen gäbe und man die Getränke mittels Trockeneis kühlen müsste, was nur suboptimale Ergebnisse liefern würde. Aber wenn mir der Champagner zu warm wäre solle ich doch einfach ein paar Eiswürfel nehmen, denn die hätte man noch vorrätig, obgleich auch diese bei voller Kabine gern ausgehen würden.

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Erneut musste ich mich fragen, warum Passagiere bei der Condor eigentlich unentwegt für dumm verkauft werden oder warum sind andere Airlines in der Lage auch auf 14stündigen Flügen kalte Getränke anzubieten? Ach ja vielleicht liegt das ja daran das die Condor Fliegen liebt und die mögen die Getränke vielleicht warm. Wer weiß das schon?

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Nun kann man mich für kleinlich oder versnobt halten aber ich denke ein ansprechend temperiertes Getränk darf ich als Passagier, egal in welcher Klasse und bei welcher Airline, doch an Bord eines Flugzeuges erwarten. Meine Recherche nach der Rückkehr ergaben dass Condor tatsächlich in der Boeing 767 keine Möglichkeit hat die Getränke zu kühlen da offensichtlich die entsprechenden Einrichtungen, was bei mir einzig und allein ein leichtes Kopfschütteln verursacht.

„Condor. Wir lieben Fliegen, und wohl temperierte Getränke“

Service

Das „Champagner Gate“ bringt uns quasi ohne Überleitung direkt zum Thema Service. Von den 30 in der Business Class vorhanden Sitzplätzen waren dabei heute nur 11 besetzt und das Team aus Purser und Flugbegleitern in der Business Class Kabine war damit nur mäßig gefordert. Das Team war dabei durchweg bemüht und versuchte während der Mahlzeiten so oft als möglich eine persönliche Ansprache an den Gast zu richten. Allerdings könnte der Service durchaus noch etwas proaktiver sein, denn zwischen den Mahlzeiten entstanden hin und wieder unangenehm lange Pausen in denen die Gläser leer blieben. Eine Airline die sich rühmt die besten Flugbegleiter Deutschlands zu haben bleibt damit ein wenig hinter Ihrem eigenen Anspruch zurück.

Entertainment

Möglicherweise den positivsten Eindruck hinterlässt noch das neue InSeat Entertaiment System. Das sogenannte Premium Programm, welches in der Economy Class übrigens 7,00 EUR kostet, ist bestückt mit circa 20 Kinofilmen. Darunter recht aktuelle Werke wie „12 Years a Slave“, „The Amazing Spider-Man“, „Dallas Buyers Club“, oder „Grand Budapest Hotel“ sorgen für recht gut Unterhaltung sowohl auf dem Hin- als auch dem Rückweg. Neben den Spielfilmen stand auch eine Auswahl an Fernsehserien, sowie eine recht umfangreiche Musikauswahl zur Verfügung. Leider findet sich im Vorfeld der Reise nirgends ein Hinweis auf das aktuelle Programm und es steht zu befürchten, dass die Aktualisierung des Bordprogramms wohl eher sporadisch erfolgt.

Ach ja, sporadisch könnte man auch die Erscheinungsweise des Bordmagazins nennen. Denn im Monat Juli liegt an Bord nur die Ausgabe 2/2014 vor und ist mit dem Vermerk „Nur für den Gebrauch an Bord“ versehen. Allerdings ist das primär aus Werbung und Editorials bestehende Druckerzeugnis auch kaum irgendwo anders genießbar.

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Gesamteindruck

Die Gretchenfrage ist: Wen will die Condor, mit Ausnahme der Fliegen, mit diesem Angebot ansprechen? Aus meiner Sicht sind weder der Geschäftsreisende, noch der sehr anspruchsvolle Privatreisende nicht ganz optimal bedient, denn das Angebot ist trotz eines Quantensprungs im Verhältnis zu alten Comfort Class, lange nicht Up to Date.

Allerdings offeriert Condor aktuell OneWay Flüge in den Indischen Ozean, nach Thailand, Vancouver oder Seattle zu Preisen ab 999,00 Euro pro Strecke. Flüge nach Ft. Lauderdale, Baltimore oder Ostafrika sind bereits ab 799,00 EUR One Way erhältlich und damit kaum teurer als Premium Economy Angebote anderer Airlines. Sollte dies und der genügsame Privatreisende der avisierte Kundenkreis sein, den die Condor mit der „neuen“ Business Class erreichen will, dann hat man das Ziel sicher erreicht. Sollte sich das Preisniveau aber erhöhen und damit der Unterschied zu hochwertigen Business Class Produkten verkleinern, dann bleibt sicher wieder nur der Fluggast als Kunde, dem „keine andere Wahl“ bleibt.

Der, der entweder an entlegene Orte wie Anchorage oder Kilimanjaro reisen möchte, wo außer Condor faktisch keiner hinfliegt, oder der notorische Frankfurter NonStopp Flieger der für kein Geld oder Comfortsprung der Welt auch nur einmal umsteigen möchte. Condor hat viele charmante Ideen, wie eine Blumengruß zum Essen oder eine umfangreiche Auswahl an hochwertigen Amenities in komplett umgebauten und großzügigen Waschräumen , aber es fehlt an einem roten Faden durch das Produkt, der es zu einem besonderen Reiseerlebnis werden lässt. 

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Besonderes

Nachdem ich nun die bisherige Einschätzung während des Fluges zu Papier gebracht hatte wurde ich, nachdem ich den Laptop stromlos geschaltet hatte, von einer weiteren bösen Überraschung erwischt. Der Purser eilte durch die Kabine und informierte die Business Class Gäste über die Tatsache, dass man aufgrund von schlechtem Wetter in Frankfurt und daher einem akuten Spritmangel nun nach München fliegen müsse, um zu tanken. Die vor uns sitzenden Gäste welche nach München wollten, wurde dies als Erfreuliche Mitteilung verkauft, sie wären ja quasi zu Hause. Aber weit gefehlt, selbstverständlich durfte niemand das Flugzeug in München während des Tankvorganges verlassen.

Für uns nur bedingt problematisch aber für Gäste mit Flugziel München saubescheuert. Nach gut 90 Minuten in München, während der es weder für Business noch Economy Class Gäste irgendetwas zu trinken gab, setzten wir unsere Reise nach Frankfurt fort. Während des Aufenthaltes in München und dem Anflug auf Frankfurt wurde den Gästen vom Personal mehrfach erklärt, dass der Flughafen Frankfurt aufgrund eines Gewitters für 90 Minuten vollständig gesperrt gewesen wäre und daher ALLE Flüge Verspätung hätten und somit keiner Angst haben müsse den Anschluss zu verpassen. Die Gäste mögen einfach auf der Abflugtafel den geplanten Abflug und das geplante Gate suchen und sich direkt dort hin begeben. Und da waren sie wieder die nächsten zwei Fabeleien.

Tatsächlich war der Flughafen Frankfurt für einige Minuten gegen 18 Uhr voll gesperrt aber bei unserer Ankunft in Frankfurt um 20:20 Uhr war fast alles wieder pünktlich. Darüber hinaus ist es bei Ankunft in Terminal 1B nach der Passkontrolle nötig, durch den öffentlichen Bereich in das Terminal 1A zu gehen. Dort scheitere aber jeder an der Bordkartenkontrolle da die abgelaufenen Bordkarten natürlich nicht akzeptiert wurden und daher für fast alle Mitreisenden der Weiterflug zur Illusion wurde. Wir hatten Glück und konnten dank der tatkräftigen Unterstützung einer Mitarbeiterin vom LH First Class CheckIn das Kontrollpersonal davon überzeugen, uns zumindest durch die Kontrolle zu lassen um am Gate unsere Bordkarten, des durch Condor von Business Class in Economy Class umgebuchten Anschlussfluges abholen zu können.

Auch hier sei der Lufthansa Mitarbeiterin für ihr Engagement gedankt, denn trotz des downgegradeten Tickets, wurden wir in der Business Class befördert. Nach all dem Stress Frankfurt war dann nun auch die letzte Urlaubserholung passe. Es lässt sich also eindeutig feststellen, dass die bereits zitierte Fliegen auch hier eindeutig im Vorteil gewesen wären, da Sie direkt von der Vorfeldposition der ankommenden Maschine zum Abfluggate hätte fliegen können. Der bedauernswerte Fluggast musste per Bus und Pedes vorankommen, was die liebe zum fliegen mit der Condor deutlich dämpfte.

Also Condor liebt (die oder das) Fliegen, ob die Passagiere der neuen Condor Business Class Ihre Liebe schenken, wird sich zeigen.

IMG_1540 - Arbeitskopie 2.jpgÜber den Autor:

Silvio Rebmann ist Geschäftsführer des Reisebüros cube-travel.de, sowie des Reiseveranstalters usatravel.de Wer erfahren möchte, wo und wie er sonst so fliegt, der liest dieses unter anderem auf seinem Profil bei Flugstatistik.


32 Kommentare on Gastbeitrag: Review Condor Boeing 767-300ER Business Class Mauritius – Frankfurt

  1. Exact dieselbe, negative Erfahrung mit Condor, habe ich auf dem Flug Las Vegas – Frankfurt gemacht. Business Class ist lange noch nicht gleich Business Class. Dann doch lieber Swiss oder Lufthansa.

    • Olly

      Mhhh.. soll ich nun auf die ganzen Ungereimtheiten hier im Bericht eingehen oder nicht? Ich denke NEIN.. denn wenn hier Äpfel mit Birnen verglichen werden und noch nicht einmal das Zählen bis acht klappt.. (bei den Toiiletten der Delta zum Beispiel) wäre ein detailliertes Aufführen der Fehler, mir meine Zeit nicht wert. Stellenweise gut recherchiert, jedoch ein Produkt ohne jeglichen Preisvergleich zu bewerten und zu kritisieren ist unseriös. Vergleichen Sie doch mal direkt den Service mit einem vergleichbaren LH oder Swiss Flug von vergleichbarer Länge INKLUSIVE dem Preisunterschied! Für bis zu 1000,- Euro pro Person nehme ich auch gerne mal einen Eiswürfel in den Champagner. In meinen Augen bietet Condor ein hervorragendes Preis-Leistungs Verhältnis.. und dabei will ich es auch belassen… allways happy landings.

      • Hallo Olly,
        das kann man so sehen, muss man aber nicht. Ein Flugreview wie auch dieser Gastbeitrag ist ja immer ein subjektives Erlebnis.
        Aber objektiv nachvollziehbar ist der Sitz und weitere Hardware, daher kaum zu verleugnen das die „eher geht so“ ist.
        Aber: Jeder kann fliegen wann, wie und mit wem er mag

        Eins noch: Wo nehmen Sie denn den Preisunterschied her? 1000 EUR bei Condor OneWay = 2.000 EUR Return für 11 Std. Was kostet ein Angebot in C bei LX oder LH nach Asien oder SFO? Ich sehe da keinen gravierenden Unterschied.

      • Hallo Olly,
        ich denke das der Report durchaus ausgewogen ist. Im Gesamteindruck gehe ich genau auf das Preis-Leistungsverhältnis ein und scheibe das „weder der Geschäftsreisende, noch der sehr anspruchsvolle Privatreisende“ die richtige Zielgruppe ist. Der weniger Anspruchsvolle Privatreisende ist aufgrund des günstiges Preises sicher eine Zielgruppe, aber aus der Erfahrung des Verkäufers kann ich sagen das die meisten Kunden mittlerweile großen Wert auf flache Betten und erholsamen Schlaf legen. Ich wünsche allzeit guten Flug!

      • Toni

        Volle Übereinstimmung mit OLLY.
        Wir sind mit Lufthansa in der alten Business Class im Januar 2014 nach Bogota geflogen. Keine schöne Erfahrung mit ausgelatschten Sitzen. Die Umrüstung soll ja wohl x Jahre dauern.

    • Toni

      Lieber Sven und liebe Diana,

      wir fliegen seit Jahren mit der Condor Comfort Class. Wo es geht, sonst auch Lufhansa Business Class.
      Die Comfort Class (jetzt Business) darf man nicht ernsthaft mit der Business Class von Linienflügen vergleichen. Sie ist DEUTLICH günstiger. Der Service war bei uns bisher immer sehr angenehm, wenn auch nicht so perfekt wie bei der Lufthansa. Positiv ist die begrenzte Sitzzahl von 18. Das ist wesentlich ruhiger und exklusiver als die „Massen-Business-Class“ auf USA-Flügen der Lufthansa.
      Außerdem sind die aktuellen Sitze der Business-Class in der Lufthansa mehr als unbequem. Nur sehr wenige Flugzeuge sind dort umgerüstet auf die neuen Sitze. Da bezahle ich lieber bei der Condor die Hälfte für die gleiche Ausstattung.

  2. Olly

    Ein ganz einfaches Beispiel für den Preisunterschied: Spontan gefunden Condor FRA- Las Vegas Business 2100 €
    Vergleichbare Strecke LH FRA-Dallas Business € 4.279,91 Quelle Opodo Oder FRA-Minneapolis Condor 1.299,98 € !! LH FRA-Chicago 4.547,91 € Quelle die jeweilige Homepage bei gleichem Flug-Datum.. Alles Roundtrip.
    Sicherlich ist auf Ihrer Reise einiges nicht so gelaufen wie es sein sollte, dies passiert bei anderen Airlines aber auch.. nur wenn man schon Vergleiche heranzieht dann auch den Preis. übrigens für SFO in der „C“ finde ich bei LH nur Angebote ab 4800,- Euro.. Setzt man diese Preise in Relation zum Sitz dem Service und sonstigen Dingen wie ungekühlter Champagner… .. naja..finde ich, schneidet Condor gar nicht so schlecht ab. Einen einzelnen Flug zu bewerten und dann pauschal die Aussage zu treffen, dass man bei Condor die Gäste nicht liebt.. weiß nicht. Ausgewogen ist anders.

    • Das sind doch unterschiedliche Strecken und eher Äpfel mit Birnen verglichen.

      Gleiche Strecke: FRA-LAS

      16.-23.10.2014

      Condor 2208 EUR
      BA via LHR 2511 EUR
      KLM via AMS 3048 EUR
      LH 3171 EUR
      United 3171 EUR

      • Olly

        Das sind alles Ziele die von der Distanz ähnlich sind und auch im gleichen Land liegen.. leider gibt es kaum Ziele die von beiden Airlines angeflogen werden.. Entfernung und Land sowie Zielgruppe jedoch ähnlich. Wenn überhaupt Boskop mit Pink Lady verglichen 😉

    • Hallo Olly,
      also die Gretchen Frage ist doch was will ich bzw. was will der Kunde! Wie ich im Beitrag erwähnt hatte sind die aktuelle Preise zu vielen Zielen wirklich günstig und für einen breiten Kundenkreis, der sicher auch aufgrund der Ziele der Condor, weitestgehend aus Urlaubsreisenden besteht durchaus attraktiv. Nach meinen Informationen sind diese Preise aber nicht dauerhaft sondern werden auf das Preisniveau der früheren Comfort Class angepasst! Wenn dem so ist dann wird es sicher keine oder kaum mehr One Way Flüge mit der Condor für um die 1000,00 EUR geben. Dazu schrieb ich im Beitrag „sollte sich der Unterschied zu hochwertigen Business Class Produkten verkleinern dann bleibt sicher wieder nur der Fluggast als Kunde, dem „keine andere Wahl“ bleibt“. Soll heißen derjenige der in oder um Frankfurt lebt und Non Stopp fliegen will oder der der an Orte Reisen möchte die keine oder kaum andere Vernünftige Flüge haben wie Anchorage oder Kilimanjaro! Und auch das hatte ich bereits ausgeführt eine Mehrzahl unserer Kunden blickt mehr auf das Produkt als auf den Preis. Natürlich ist da aktuell die LH auch keine wirkliche Konkurrenz denn die Rutsche des Grauens in der LH C Klasse ist eine Zumutung, auch die neue C nicht viel besser, aber zumindest ist Sie flach und das ist mittlerweile zumeist das absolute „Todschlag“ Kriterium! Wir werden auch weiterhin die Condor verkaufen aber wie auch schon zu Zeiten der Comfort Class halt nur an Kunden die wissen worauf Sie sich einlassen bzw. wo es keine andere Vernünftige Alternative gibt.

  3. Olly

    Condor fliegt nicht nach LAX da ist ein Connex dabei.. aber z.B: FRA-CPT (fliegen beide im Winter an)
    LH 4.384,97 € Condor 2.994,98

      • Olly

        LAS auch hier ein großer Unterschied denn der LH Flug ist nicht non-stop aus FRA daher im Vergleich „recht günstig“ aber trotzdem deutlich teurer.. Ich möchte auch nochmal auf den Unterschied zwischen „lie flat“ und „full lie flat“ oder „flat bed“ hinweisen.. „lie flat“ Sitze sind wie die alte LH Business nicht 180 Grad.. daher weiß man eigentlich schon im Vorfeld welches Sitz einen erwartet, zumal dies auch auf der Condor Seite so beschrieben ist. (170 grad). Man weiß also eigentlich recht genau was einem vom Sitz her erwartet. Und auch hier: gerne 10 Grad weniger aber auch 1 Woche Hotel fast schon inklusive durch den niedrigeren Flugpreis…aber das muss naturlich auch jeder für sich selbst entscheiden.

    • Beispiel II:

      1.- 12.11.

      FRA – CPT:

      Condor 3200 EUR, BA via LHR 2776 EUR

      oder besser Ex Berlin (da muss ich immer umsteigen)

      BA 2763 EUR via LHR oder Condor 3173 EUR

      und das bei dem Produkt? Sicher nicht.

      Es finden sich immer Kombinationen die „gut für Condor aussehen) aber ein C Sitz der nicht flach ist, der ist m.E. ein No-Go (MEINER MEINUNG NACH), daher ist auch LH alte C ein No Go

  4. Hallo Olly,
    das Argument das du für 10% Sitzneigung eine Woche Hotel bekommst ist gut und passt ggf auch zu dir. Aber die meisten unserer Kunden zahlen für 1 Nacht so viel wie der Preisunterschied zu einem vernünftigen Flug ist und dann macht es keinen Unterscheid mehr. Auf meinem Flug waren 6 der 11 Gäste in der Condor Business Class im Four Seasons Mauritius untergebracht, und dort kostet die Nacht rund 500,00 EUR pro Person!

    • Olly

      dann bin ich hier wohl im falschen Blog.. aber dann doch eher gleich mit Emirates über Dubai in der First schlappe 6790€ und der Chmapagner ist bestimmt gekühlt.

      • Hallo Olly,

        naja, nach LAS/ LAX mit EK ist jetzt nicht ganz der direkte Weg und das Produkt ist gut, aber mehr auch nicht. Das findest Du hier: OK, ich gebe zu es ist jammern auf sehr hohem Niveau, aber ich fliege auch knappe 400.000km p.a. und da sind irgendwann auch „Kleinigkeiten“ wie 10 Grad Sitzneigung wichtig

  5. Manu

    sehr guter Bericht..!
    Gibt ja immer verschiedene Meinungen aber ich mag behaupten, dass einige hier noch nie eine ComfortClass oder First gebucht haben. Für mich ist der Bericht hilfreich.. Danke

  6. Bernd

    Erfolgreich Ausgleichsleistung von CONDOR Flugdienst GmbH eingetrieben

    Wie alle Fluggäste vom Flug DE2832 waren auch meine Frau und ich von den fast 16 Stunden Verspätung des Fluges von Stuttgart nach Antalya am 20.05.2014 betroffen und bekamen, wie wahrscheinlich alle Passagiere von CONDOR, eine Absage bezüglich des Anspruchs auf die zustehende Ausgleichsleistung.

    Durch einen technischen Defekt an der Maschine wurde der ursprüngliche Abflugtermin gegen 15 Uhr mehrfach soweit verschoben, bis ein Abflug an diesem Tag nicht mehr möglich war und rund 150 Fluggäste dann auf Feldbetten auf dem Flughafengelände übernachten mussten und weitere 59 in der Nähe wohnende Betroffene nach Hause geschickt wurden. Über das ganze Ereignis wurde sogar ausführlich in der Stuttgarter Zeitung berichtet und weitere Informationen hierzu können unter http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.panne-am-flugzeug-passagiere-schlafen-am-flughafen.23e0fa78-353a-4c13-9009-a57703a415f1.html nachgelesen werden.

    Dass ein Flugzeug mit einem technischen Problem nicht starten kann, wird auch jeder Fluggast verstehen. Man darf jedoch erwarten, dass eine Fluggesellschaft für eine schnelle Abhilfe sorgt oder aber die rechtlich zustehende Ausgleichszahlung dann auch leistet, wenn sie eben nicht alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um die Passagiere rechtzeitig oder nur mit einer geringen Verspätung zum Zielort zu bringen.

    In dem Fall Flug DE2832 war der technische Defekt jedoch bereits einige Zeit vor der geplanten Abflugszeit bekannt, was daran ersichtlich war, dass von dem CONDOR Personal schon etwa eine halbe Stunde vor der Bordingzeit plötzlich ein Zeitungsständer mit lauter hochpreisigen Zeitschriften in die Empfangshalle gebracht wurde, wo sich die Fluggäste daran bedienen konnten. Was im ersten Moment nach einem neuartigen Spitzenservice von CONDOR aussah, stellte sich schnell als Beruhigungspille für die Fluggäste heraus, auf die noch eine lange Geduldsprobe zukommen sollte. Immer wieder wurden die Fluggäste in Zeitabständen von mehreren Stunden mit schönen Worten und auch mit einer kleinen Verpflegung vertröstet, bis dann spät am Abend endlich bekannt gegeben wurde, dass der Flug auf den nächsten Morgen verschoben wird und deshalb für die meisten Passagiere eine Übernachtung auf Feldbetten notwendig sei.

    Am nächsten Morgen wurde dann mit einem freundlichen Lächeln von dem CONDOR Personal an alle Fluggäste der Flyer „Informationen für Fluggäste zu EU-Verordnung 261/2004“ und die Bestätigung einer Flugunregelmäßigkeit zu dem Flug DE2832 ausgegeben. Mit diesen Unterlagen haben sich wohl alle Fluggäste auch wieder etwas beruhigt in die eingeflogene Ersatzmaschine begeben, da sie davon ausgegangen sind, dass CONDOR das Recht auf eine Ausgleichszahlung auch ernst nehmen wird.

    Wahrscheinlich haben auch viele Fluggäste nach der Rückkehr mit einem Schreiben an CONDOR versucht eine Ausgleichszahlung zu bekommen, mit einem ähnlichen Text wie bereits in Musterbriefen vorgeschlagen, z.B.:

    “Gemäß dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. November 2009 in den
    verbundenen Rechtssachen C-402/07 und C-432/07 haben Flugreisende bei Ankunftsverspätungen von mehr als drei Stunden Anspruch auf Ausgleichszahlungen
    nach Artikel 7 der Verordnung (EG) 261/2004. Dieser Rechtsprechung folgt auch der
    BGH (BGH, Urteil vom 18.02.2010, Az. Xa ZR 95/06).
    Gemäß der oben genannten Verordnung stehen mir folgende Zahlungen zu:

    1. Ausgleichsleistung (Art. 6,7 EG-Verordnung Nr. 261/2004)

    Bei Flugstrecken zwischen 1.500 km und 3.500 km pauschal 400.- Euro“

    Das böse Erwachen dürfte aber bei den meisten Fluggästen spätestens dann eingetreten sein, als von CONDOR nach über 8 Wochen Wartezeit (mit einem „Bitten um Geduld Schreiben“ nach 4 Wochen) die lapidare Absage kam, dass sie eine Ausgleichsleistung leider ablehnen müssen, da nach Auskunft ihrer Verkehrszentrale die Verspätung durch einen unerwartet aufgetretenen Flugsicherheitsmangel verursacht wurde und sie keine zumutbare Möglichkeit hatten, die eingetretene Verspätung zu verhindern.

    So wurden auch wir mit einem derartigen “Entschuldigungsschreiben“ einfach abgespeist und waren über diese Art von Kundenbetreuung sehr verärgert.

    Als ich daraufhin beim Luftfahrt-Bundesamt nachgefragt hatte, ob ihnen der Flugsicherheitsmangel gemeldet wurde und ob sie wissen was dazu geführt hat, bekam ich zur Antwort, dass nicht alle Mängel an das Luftfahrt-Bundesamt gemeldet werden. Bei der weiteren Nachfrage, ob es sich bei solchen Mängeln um außergewöhnliche Umstände handelt, bekam ich die Information, dass die meisten Flugsicherheitsmängel eben nicht unter außergewöhnliche Umstände fallen und es dazu auch ein Urteil vom EuGH mit dem Aktenzeichen C 549/07 gibt.

    Mit den genauen Informationen aus dem genannten Urteil hatte ich noch einmal versucht die CONDOR Kundenbetreuung zu überzeugen, dass sie ihre Entscheidung besser noch einmal überdenken sollten, was jedoch auch weiterhin erfolglos blieb.

    Deshalb musste ich dann einen Rechtsanwalt mit der Einforderung der Ausgleichsleistung beauftragen. Dieser hat auch gleich eine zumutbare Erledingungsfrist von 2 Wochen vorgegeben, mit dem Hinweis, dass danach die Beitreibung im Rahmen eines Mahnbescheids erfolgen wird.

    Was dann kam, gehört sicher nicht zu einer professionellen Kundenbetreuung sondern eher zu der Verhandlungstaktik auf einem Basar. Von CONDOR wurde eine Anwaltssocietät eingeschaltet, die ein „50% – Vergleichsangebot“ mit jeder Menge nichts aussagender Kommentare vorgelegt hat.

    Mein Anwalt hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragt, der nach Ablauf von weiteren zwei Wochen zu einem Antrag auf Erlass eines Vollstreckungsbescheides geführt hätte.

    Mit der Zustellung des Mahnbescheids kam CONDOR dann zu der Einsicht, die uns zustehende Ausgleichszahlung von insgesamt 800.- € neben meinen Anwaltskosten und die Kosten des Mahnbescheids als Gesamtbetrag von über 1.079.- € umgehend an meinen Anwalt zu überweisen.

    Daran kann man sehen, dass man sich nicht einfach abwimmeln lassen darf.

    Da das Risiko bei einen Mahnbescheid inklusive der Anwaltskosten sehr überschaubar ist, lohnt sich deshalb für jeden der Versuch auch diesen Schritt zu gehen, wenn die Sachlage so eindeutig ist, dass dafür das Urteil vom EuGH herangezogen werden kann. Im Übrigen können derartige Forderungen auch noch einige Zeit später erfolgreich beigetrieben werden, auch wenn diese zunächst von der Fluggesellschaft einfach abgelehnt wurden.

    Dass wir zukünftig den CONDOR Flugdienst nicht mehr in Anspruch nehmen werden, liegt zum einen in der Tatsache, wie die Ansprüche von CONDOR abgewickelt wurden und dass CONDOR darüber hinaus der Meinung ist, dass einem Fluggast bei einer Ausgleichszahlung dann aber ein Feldbett als Ersatz für ein Hotelzimmer zumutbar ist.

  7. Daniel

    Beim Lesen des Artikels kommt man irgendwann nicht mehr umhin zu vermuten, dass der Autor ein Nörgler ist. Den ein oder anderen Punkt kann man durchaus noch nachvollziehen, aber spätestens wenn man sich beim Lesen des nächsten Absatzes schon vorab fragt, was denn nun wieder alles nicht passen wird, gepaart mit dem unnötig herablassenden Schreibstil, mag man an Ojektivität nicht mehr so recht glauben. Erst recht da andere Erfahrungsberichte von Leuten, denen eine Business Class ebenso nicht fremd ist, nicht zu einem solch durchweg niederschmetternden Ergebnis kommen, im Gegenteil. Aber spätestens an dem Punkt an dem dann steif und fest behauptet wird – und sei es nur in den Kommentaren – dass andere Business Classes nicht teurer wären, muss man schon vermuten, dass die Objektivität hier völlig fehlt, denn es ist einfach fakt, das muss auch nicht mit Einzelbeispielen belegt werden. Wer hier partout etwas anderes behauptet hat offensichtlich keine Ahnung oder will keine Ahnung haben. Insofern sollte der Preis auch in die Bewertung mit einfließen.

  8. Ich war ehrlich gesagt sehr angetan von der neuen Business Class auf meinem Flug von FFM nach Phuket. Preis/Leistung war sehr gut, Essen als 5-Gänge Menu Spitzenklasse und ich konnte auch relativ gut liegen. Relativ, deswegen, weil man die Condor Business Class natürlich nicht 1×1 mit der Lufthansa, Thai Airways und Co vergleichen kann. Aber ganz ehrlich, bevor ich bei denen 1-2 K mehr für eine Strecke zahle, ist Condor mehr als eine super Option. Ich hab dank des Cash Upgrades (Geheimtipp) wie in meinem Blog beschrieben nur 808,59€ für FFM-Phuket bezahlt, Rückflug normal 1049,99€. Da kann preislich keiner mithalten. Günstiger entsptannt im Liegen geht woanders kaum, zumindest für diese Strecke.
    Fotos hab ich auch gemacht, kleinen Reisebericht ebenfalls. Leichte Service Defizite gab es auch, aber darüber habe ich aufgrund der Gesamterfahrung im Nachhinein gern weggesehen.

    • Michael

      Den Kommentar: „da kann preislich keiner mithalten“ kann ich so nicht gelten lassen. Knapp 1860 € für den Hin- und Rückflug auf einer „Rutsche“ ist ja kein so super tolles Angebot. Wenn man sich etwas selbst mit den Fluglinien und deren Angeboten beschäftigt, sind die Preise die ich in meinem Kommentar genannt habe keine Seltenheit. Gewiss sind dies keine Dauerangebote sondern nur zeitlich begrenzte buchbare Flüge (begrenzt im Sinne zu buchen, der Reisezeitraum ist teils sehr großzügig und lang gefaßt), aber wie gesagt auch keine Seltenheit, auch zu Hochsaisonzeiten. Es kostet nur etwas eigenen persönlichen zeitlichen Aufwand diese Strecken zu finden und wie sie zu buchen sind. Und ja, richtig, ich muß einmal Umsteigen. Wenn das ein Ausschlußkriterium wäre, bleibt nichts anderes übrig als auf der Condor-Rutsche zu fliegen.

  9. Michael

    Condor ist halt ein Touristen-/Charterbomber und kein Linienflug. Was die Preisdiskussion oben angehen, hier einige Beispiele meiner Urlaubsflugziele in BusinessClass (Hin und Rückflug), immer mit meiner Frau zusammen, aber der Preis ist natürlich pro Person. Ich mache deshalb die Bemerkung, weil ein Flug ein Partnerangebot war auf dem man den günstigen Preis nur bekam wenn man zu zweit fliegt.
    Finnair FRA – BKK 1300 € (2014, neue BusinessClass)
    Emirates FRA – HKG knapp 2200 € (2014 im A380, Partnerangebot)
    Qatar FRA – Peking 1800 € (Flug findet im Oktober 2015 statt mit Airbus 350 und B777)
    Da ich auch einmal Condor (allerdings noch Comfort Class) geflogen bin, kann ich den Reisebericht nachvollziehen. Bei meinen gezahlten Preisen oben in einer vollwertigen BusinessClass und 180° Liegesitze auf einem Linienflug stellt sich die Frage nach Condor nicht.

  10. Thomas

    Wir sind gerade mit Condor „Business“ von Frankfurt nach Halifax/Kanada und zurück geflogen. Fazit vorweg: Danke, nicht noch einmal! Die Tickets haben (inkl. Economyzubringer HAM) pro Person rd. 1.650 Euro gekostet. Klingt fast günstig, aber die Businessflüge dauerten auch nur 6:30 bzw. 5:45 Std. effektive Flugzeit. Der Hinflug, es war ein Tagflug, gestaltete sich noch einigermaßen ok. In Sachen Komfort, Service, Verhalten des Kabinenpersonals und „Businessgefühl“ zwar kein Vergleich zu Qatar oder anderen Airlines, aber erträglich. Beim Rückflug wurde das aber atomisiert. Das Gepäck musste man in Halifax selbst auf das Band legen, es gab keine Lounge, der Sitzplatz (1A) ließ sich nur verstellen, wenn man nicht darauf saß bzw. lag, der Kabinenservice war schleppend langsam und schnippisch bis unfreundlich und sah sich außer Stande, zwei auch nach der Verdunkelung ununterbrochen laut schwatzenden Nervensägen ruhig zu stellen, an Schlaf war wegen des unbequemen und zu kurzen 170-Grad-„Liegebretts“ allerdings sowieso nicht zu denken, Stewardess buchte sich auf unsere Rechnung einen Snackriegel. Sorry, aber da lege ich lieber ein paar Taler drauf und genieße meinen Flug und das Drumherum. Gerade der Purser und die Stewardessen waren dermaßen servicefeindlich, da möchte ich nicht wissen, welche Koryphäen in der Economy unterwegs sind. Ich hatte den Beitrag von Sven Blogt zunächst auch kritisch gesehen, das hat sich aber geändert. Aber aus Schaden bzw. dem Erlebten kann man ja auch klug werden….

  11. Toni

    Ich möchte, auch wenn es nicht zum letzten Thema passt, noch einmal auf die neue Lufthansa Business Class zurückkommen. Ich finde, Sie ist KEIN großer Wurf. Allein, dass die Sitze „zueinander“ gestellt sind und man im Zweifel eine fremde Person anschauen darf, geht gar nicht. Außerdem sind die „Schubfächer“ für die Füße ein Witz. Jeder durchschnittlich gewachsene Mann fühlt sich dort sehr beengt. Wenn man ältere Stewardessen erwischt, ist der Service toll. Die jüngeren werden wohl deutlich schlechter bezahlt… Die Sitze sind auch wesentlich enger als die der meisten anderen Business Classes. Weil die LH meine Lieblings-Arline ist, hoffe ich auf deutliche Korrekturen.

  12. Carsten

    Ehe ich irgendwo umsteige und dabei evtl. in den USA vorab komplettes Einreiseprocedere und nochmaliges Einchecken habe, verbunden mit unklar zu planenden Umsteigezeiten wegen der Immigration, nutze ich sehr gern bspw. FRA-LAS direkt mit Condor statt LH über Denver oder Chicago oder sonstwo zu einem deutlich höheren Preis. Aus Berlin kommend reicht mir schon das Umsteigen in FRA. BA ab TXL
    über LHR direkt ist abartig teuer, kommt gar nicht in Frage.
    Wir fliegen jetzt für 3.500 zu zweit ab TXL über FRA nach LAS und zurück YVR-FRA-TXL mit Condor in der Business auf der Langstrecke. BA hätte mit Glück bei 6-7000 gelegen und LH mit einmal mehr umsteigen und deutlich längerer Reisezeit bei 5-6000 je nach Variante.
    Dann nehme ich gern den 170 Grad Sitz und lächele etwas müde über diesen Bericht über das Fliegen mit Condor oder irgendwelche Fliegen an Bord. Schade, irgendwie sehr persönlich gefärbt, von oben herab geschrieben und für mich, für den 2-3000 Euro noch in schöner Dritturlaub sind dann wohl auch nicht gedacht.

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