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Reisebegegnungen- „aber vergessen Sie nicht, wo Ihre Bank steht“


Bevor ich im nächsten Jahr wohl eine kleine Kolumne in einem Magazin starte, möchte ich Euch dennoch schon einmal etwas erzählen, Geschichten die das (Flieger-)leben so schreibt. Wer auf Reisen geht, der kann was erzählen, sagte schon meine Oma früher. Manchmal schöne, traurige und skurrile Geschichten. Die erste dieser kleinen Artikelreihe ist eher traurig, traurig aber dennoch schön.

„Das ist mein letzter Flug“

Bei diesem Satz, den die ältere, grauhaarige Dame mit den freundlichen Lachfalten im Gesicht zu mir sagte, als ich vor nicht allzu langer Zeit ein British Airways Flugzeug in New York bestieg, beschlich mich ein sonderbares Gefühl. Dieser Satz verschafft mir noch heute, Monate später eine Gänsehaut. Ganz ruhig und mit sorgfältig gewählten Worten setze sie das Gespräch fort und kam sodann gleich mit einem Wunsch. Ob Sie vielleicht auf meinem Sitz sitzen könnte, 1A statt 2A, erste statt zweite Reihe, was in einer Boeing 747 in First Class keinen Unterschied macht. Nachdem ich lächelnd zustimmte fuhr sie fort. Das ist der Platz Ihres Mannes, Jahrzehnte habe er hier gesessen und flog mehrfach im Monat nach New York und zurück nach London. „Ja“ seufzt Sie, er konnte das Arbeiten bis ins hohe Alter nicht lassen, sein Beruf war sein Leben. Ab und an sei sie mitgeflogen, neben ihm und immer durfte auch sie hier „vorn“ mit.

Viel sind sie gereist, beinah jedes Land dieser Erde haben sie gemeinsam in über fünfzig Jahren Ehe bereist, viele Menschen getroffen, viel gesehen, „Das ist ein Großes Glück“, sagte die ältere Dame lächelnd.

Ja, glücklich sind sie fast immer gewesen. Glücklich oder zufrieden zumindest, fügt sie hinzu und lächelt erneut dabei.

Vor einigen Wochen ist er dann gestoben, „ganz friedlich und zufrieden“ fügt Sie schnell an als sie in mein, wohl sehr erstauntes Gesicht sieht.Himmel BA Flieger

Einmal, einmal noch wollte sie die Stadt sehen die ihr „Geliebter“ so mochte, einmal dieses Gefühl verspüren. Ein Auto habe sie sich gemietet, mit Fahrer, die Bahn ist ja nichts mehr für sie, erzählt sie weiter. Lange überlegt, lange gezweifelt ob sie es tun soll, kann und darf und dann habe sie sich entschieden und ist nun glücklich und zufrieden.

Bei dem Satz: „Falls ich nun morgen zu ihm gehe, dann erzähle ich ihm wie schön es in- seiner- Stadt immer noch ist, von den Vögeln im Central Park, der Hektik auf den Straßen und dem Hudson. Eine Bank im Central Park, die hat Sie nun gekauft und nach ihm benannt, damit er „immer einen Platz zum Ausruhen hat“. Da rollten auch mir fast die Tränen, nicht vor Trauer, ich kannte ihn ja nicht, aber vor Rührung über das was und wie sie es erzählte. Selbst jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen ist es noch fast so.

Als wir morgens in London ausstiegen wurde Sie von einem Rollstuhl an der Flugzeugtür abgeholt, nicht ohne sich noch einmal umzudrehen. Sie gab mir die Hand, sah mich lächelnd an und sagte:

„Genießen Sie Ihr Leben, reisen Sie und entdecken Sie die Welt, aber vergessen nicht wo Ihre Bank steht.“

Diese alte Dame gehört zu den beeindruckendsten Menschen die ich auf meinen Reisen kennen lernen durfte. Einige gibt es noch, den kleinen Pendler, der mit acht Jahren routiniert wie „Alte“ fliegen, dazu aber mehr in einer anderen Geschichte.

Nehmt eines mit: Genießt Euer Leben, jeden Tag auf’s neue!


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